Läufigkeit, Deckakt, Trächtigkeit und Geburt

Läufigkeit:

Sind die Hürden bis hier hin gemeistert, kann es eigentlich losgehen - das heißt wir warten nun darauf, dass die Hündin läufig wird. Das geschieht beim Collie in der Regel ein bis zwei mal jährlich, das erste mal etwa ab 8 Monaten (die individuellen Unterschiede hierbei sind von Linie zu Linie recht hoch, es gibt Hündinnen, die werden mit 6 Monaten schon läufig, andere sind bei der ersten Läufigkeit schon über ein Jahr alt. Manche Hündinnen werden mit schöner Regelmäßigkeit alle 6 Monate läufig, andere nur einmal im Jahr). Allerdings sollte keine Hündin schon bei der ersten Läufigkeit belegt werden.
Auch der richtige Deckzeitpunkt ist recht variabel und hängt von vielen Einflüssen ab. Die meisten Hündinnen lassen sich zwischen dem 9. und dem 16. Tag nach Beginn der Läufigkeit decken. Falls man einen sehr weiten Weg zum Deckrüden hat, sollte man den Decktermin sicherheitshalber vom Tierarzt bestimmen lassen.
Deutliche Anzeichen für Deckbereitschaft sind eine zur Seite gelegte Rute beim Kontakt (Schnüffeln) mit einem Rüden und ein Zucken der Rückenmuskulatur beim Streichen über den Rücken.

Deckakt:

Haben wir also den (hoffentlich) richtigen Termin festgelegt, fährt die Hündin zum Rüden (nicht umgekehrt). Nach einer ersten Begrüßung der beiden Hunde wird meist ziemlich schnell klar, ob wir den richtigen Termin gewählt haben. Stimmen Zeit und Chemie zwischen den Hunden (es gibt tatsächlich auch Hunde, die eine ausgeprägte Antipathie gegen einander haben) steht dem Decken eigentlich nichts mehr im Wege. Im Regelfall wissen die Hunde selbst "wo es lang geht", nur bei sehr unerfahrenen oder unruhigen Hunden sollte der Züchter eingreifen und die Hündin möglichst vorne am Halsband etwas festhalten. Für die ersten Deckakte hat man im Idealfall einen erfahrenen Züchter an seiner Seite.
Der Rüde wird die Hündin besteigen und nach einem relativ kurzen Deckakt geht das Pärchen ins "Hängen" über: Der Rüde hebt ein Hinterbein über den Rücken der Hündin, sodass beide jetzt Hinterteil an Hinterteil dastehen. Unruhige Hündinnen sollten dabei beruhigt und festgehalten werden. Das Hängen dauert im Schnitt zwischen 15 - 30 Minuten. Danach säubern sich die Hunde und brauchen beide erstmal etwas Ruhe.
Der Deckakt kann in den nächsten Tagen, abhängig von der Hündin, noch ein oder mehrmals wiederholt werden, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass die Hündin auch tragend wird. Oft reicht jedoch ein Deckakt schon aus.

Trächtigkeit:

Die Dauer der Trächtigkeit beträgt im Durchschnitt 63 Tage, variiert aber abhängig von der Anzahl der Welpen. Zudem werfen Erstgebärende meist ein paar Tage früher.
In den ersten vier Wochen sind bei der Hündin noch keine offensichtlichen Veränderungen feststellbar (manchen Hündinnen wird in den ersten Tagen mitunter schlecht), mit der Zeit hat die Hündin jedoch einen gesteigerten Nahrungsbedarf und ein erhöhtes Ruhebedürfnis. Übertreiben Sie aber bitte die Fürsorge nicht! Die Trächtigkeit ist keine Krankheit! Die Hündin sollte sich weiterhin nach Lust und Laune bewegen dürfen, sie muss nämlich für die Geburt fit bleiben und sollte daher durchaus ihre Muskeln trainieren können und nicht nur rum liegen. Wichtig auch: Nicht überfüttern!!! Zu dicke Hündinnen können bei der Geburt Probleme bekommen, weil dadurch die Wehen evtl. zu schwach ausfallen.
Schonen sollte man die Hündin in den letzten Wochen jedoch schon, vor allem wenn sie rundlicher wird, d.h. Sprünge (Agility etc.) und allzu ausgedehnte Spaziergänge sollten vermieden werden. Auch das Spiel mit allzu robusten Artgenossen sollte man kontrollieren.

Die Geburt:

Um auf den lang ersehnten Augenblick richtig vorbereitet zu sein sollte man einen geeigneten Platz für die Geburt einrichten. Hierbei muss man im Laufe der Zeit seine eigenen Erfahrungen sammeln. Es gibt die Möglichkeit, eine Holzkiste, wie sie in vielen Büchern mit Bauanleitung beschrieben wird, herzurichten, man kann für die Geburt aber auch einen auswaschbaren Hundekorb oder ein aufblasbares Planschbecken verwenden. Wichtig ist die Auslage mit Tüchern, in denen die Hündin auch scharren kann (viele Hündinnen haben das Bedürfnis sich ihr Lager durch Scharren wie in der freien Natur herzurichten).
Man sollte auch jede Menge Ersatztücher, sowie eine Haushaltswaage, evtl. einen kleinen Extrakorb für die Welpen, Papier und Stift und die Telefonnummer des Tierarztes bereitlegen. Eine zusätzliche Wärmequelle ist eigentlich nur nötig, wenn das Welpenzimmer nicht ausreichend beheizt ist. Idealerweise steht einem ein erfahrener Züchter bei der ersten Geburt zur Seite.
Die anstehende Geburt kündigt sich durch lang anhaltendes Hecheln der Hündin an. Außerdem fressen die meisten Hündinnen einige Stunden vor der Geburt nichts mehr. Läuft alles normal setzen nach einigen Stunden die Presswehen ein und der erste Welpe erschein (meist noch in seiner Eihülle verpackt). Die Hündin öffnet die Eihülle mit den Zähnen, nabelt den Welpen ab, indem sie die Nabelschnur durchkaut und leckt ihn trocken. Nach einigen Minuten bis einer Stunde erscheint dann der nächste Welpe.
Die Wurfgrößen liegen beim Collie im Schnitt bei 6-8 Welpen, es kommen aber auch Würfe mit nur einem oder etwa 12 Welpen vor. Die Geburtsgewichte sind recht unterschiedlich und können manchmal von unter 200 Gramm bis zu über 400 Gramm reichen, bei sehr wenigen Welpen oder nur einem einzigen mitunter sogar weit darüber hinaus.

"Keine Angst vor der ersten Hundegeburt!" von Marianne Kiack - Knöfel