Der weisse Collie

Als ich vor ca. 5 Jahren den ersten Weissen Collie sah, war ich "hin und weg". Diese majästetische Erscheinung, diese natürliche Elleganz, die dieser Collie ausstrahlte fazinierte mich zutiefst. Das Leuchten, das von dem Weiß ausging ... es war einfach unbeschreiblich. Seitdem verfolge ich die deutsche "Weisse Collie Szene", informierte mich bei diversen Züchtern, plagte mich mit vielen englischsprachigen Texten. Doch leider war die Suche nach "Meinem weissen Collie" gar nicht so einfach wie ich mir vorgestellt hatte.

Annette Frank's Stacy und Jack

Die Heimat des Weissen ist Amerika (American White Collie). Dort ist er auch im AKC als solcher anerkannt und kann gezüchtet werden. Hier in Deutschland, wie könnte es anders sein, ist diese schöne und wertvolle Farbe leider in den wenigsten Verbänden erlaubt. Aus diesem Grund ist auch die Auswahl in Deutschland sehr beschränkt. Wenn man aber, so wie ich, Ansprüche an den Züchter stellt (Haltung, Aufzucht, Wissen über Standards und Genetik, Zuchtziele usw.), dann wird die Zahl der zur Verfügung stehenden Züchter erschreckend klein.

Etliche Züchter mit denen ich gesprochen habe, haben bei mir den Eindruck hinterlassen, dass sie diese schönen Tiere nur züchten, weil sie immer mehr in Mode kommen, und sich damit ein schneller €uro verdienen lässt. Gesundheit, einwandfreier Charakter, und die Verbesserung dieser Zucht blieben hier aber leider absolut außen vor und auf der Strecke. Solch einen Weissen wollte ich nicht habe. Da ich selber meine Zucht mit den Amerikanischen Collies bereichern möchte, und meinen Prinzipien auch mit diesem Standard treu bleiben werde, musste ich bis jetzt sehr viel Geduld aufbringen. An dieser Stelle möchte ich Sie eindringlich vor "Vermehrern" dieser Farbe warnen. Diese Menschen züchten diese wunderschönen Tiere nur weil sie momentan gefragt sind und man damit schnell viel Geld verdienen kann.

Ich möchte Ihnen mein Buch "Welpen - Fibel" ans Herz legen. Sie finden es direkt auf dieser Seite unter

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Lesen Sie es aufmerksam und es dürfte Ihnen keine Probleme mehr bereiten, Ihren Züchter zu finden und nicht einem Vermehrer auf den Leim zu gehen.

Crissy - Besitzer Ralf Post

In Annette Frank, Rassebetreuerin der DC (Delegierten Commission) und Gründungsmitglied der vor kurzem neu ins Leben gerufenen Interessengemeinschaft der Colliefreunde Abkürzung : IGC, habe ich eine sehr freundliche, und vor allem kompetente "Mentorin" auf dem Gebiert der Amerikanischen Collies gefunden. Frau Frank und ihr Zwinger, http://www.timmys-best-friend.de/, repräsentieren genau das, was ich in Deutschland bisher suchte, aber nicht gefunden hatte: Verantwortungsbewusstsein, Wissen, das richtige Gefühl für die Sache und ein Zuchtziel ohne auf die Kosten zu achten.

Ich habe Frau Frank ein paar Fragen gestellt, um den Lesern und den Interessenten der Weissen Collies diese Variante des Collies etwas näher zu bringen, und um die "Schauermärchen, Weisse Collies seien krank, auszuräumen:

Annette Frank's "Stacy"

Wie sind Sie zu den "Weissen Collies" gekommen?

Wie bei vielen anderen, war es auch mein Traum als Kind eine Collie mein Eigen nennen zu können. Diesen Traum konnte ich mir

allerdings erst vor drei Jahren verwirklichen. Nach langer Vorlaufzeit, vielen Recherchen, Besuchen von Züchtern und Ausstellungen, stand für mich bald fest, dass der "Amerikanische Collie" meinen Vorstellungen von einem Collie am nächsten kam. Eine angenehme Nebenerscheinung dieses Collietyps war, dass es ihn in (fast) allen ursprünglichen Farben gab, da die Amerikaner diese Farbschläge erhalten haben. Dies entsprach auch meinen züchterischen Vorstellungen und ich schaute mich nach geeigneten Collies in den USA um. So kamen 2003 Stacy aus dem Kennel "The Meadows" und Jack von "Bent Oak Farms" zu uns. Wir flogen damals selbst in die USA, um auch die Elterntiere und die Züchter persönlich kennen zu lernen.

Ist der "Weisse Collie" eine eigene Rasse?

Der "Weiße Collie" ist Gott sei Dank keine eigene Rasse und wird es hoffentlich auch nie werden. Ich halte nichts davon aus einzelnen Farbschlägen eigene Rassen zu machen. Gerade beim "Weißen Collie", der im Vergleich zu den anderen Farben nicht gerade sehr häufig vorkommt, würde das den Genpool zu stark eingrenzen, mit allen damit zusammenhängenden, bekannten Folgen. Ihn als zusätzliche Farbvariante jedoch anzuerkennen, halte ich im Hinblick auf die genetische Vielfalt für sehr vernünftig.

Wie unterscheiden sich Collies mit amerikanischem Standard von Collies mit britischem Standard?

Der Standard selbst unterscheidet sich im Wesentlichen nur in der Größe der Hunde und der im amerikanischen Standard zusätzlich aufgeführten Farbe "White". Sable-merle wird auch anerkannt, ist aber im amerikanischen Standard nicht extra erwähnt.

Die Interpretation dieser Standards unterscheidet sich allerdings um einiges mehr. Für mich besteht der wesentliche Unterschied im Kopftyp und im Gebäude. Mir gefällt beim Amerikaner besonders der nicht sehr ausgeprägte Stop, das lange, gut ausgefüllte Vorgesicht, insgesammte die glatte, gut geschnittene Keilform, die der Kopf haben sollte. Zusammen mit einem korrekt geformten und plazierten nicht zu großen Auge bekommt er diesen in meinen Augen unwiderstehlichen Ausdruck. Man kann es schlecht in Wort fassen, man muss sich einfach viele unterschiedliche Collies anschauen und den Typ heraussuchen, der einem am besten gefällt.

Im Gebäude sind die amerik. Collies meist vom Rücken her etwas länger und besser gewinkelt, so dass sie oft ein besseres korrektes Gangwerk zeigen.

Annette Frank's "Jack"

Ist der amerikanische weisse Collie genau so gesund wie die anderen Farben?

Ja !
Die früheren Behauptungen und Gerüchte, dass weiße Hunde kranker sind als andersfarbige, sind inzwischen schon ausreichend widerlegt worden. Sicher gibt es die für einen Laien vielleicht nicht so gut zu unterscheidenden "White Merles", die blind und/oder taub sein können. Diese haben aber mit normalen weißen Hunden nichts zu tun. Die Farbe weiß kommt in der Natur bei Tieren nicht selten vor und hat mit krankmachenden Genen nichts zu tun.

Sind in Europa nicht zu wenige Weisse Collies vorhanden um verantwortungsbewusst züchten zu können?

Ja, es gibt in Europa nur sehr wenige weiße Collies. Man sollte auch nicht versuchen "den weißen Collie" zu züchten, sondern dies nur als eine mögliche Farbvariante sehen.
Weiße Collies müssen genauso mit qualitätsvollen anderen Farben verpaart werden um gute Nachzucht zu erhalten. Die Farbe sollte dabei nur eine untergeordnete Rolle spielen. Der Weißfaktor alleine kann ja kein Zuchtziel sein.

Amigo - Besitzer Christina Roque y-Montoya

Wie beabsichtigen Sie, Inzucht und Inzest, durch den geringen Genpool in Europa zu verhindern bzw. vorzubeugen?

Wenn man die Farbe "Weiß" als zusätzliche Farbe nimmt (und wie es der amerik. Standard vorsieht auch noch sable-merle), wird der Genpool nicht kleiner sondern größer. Die Zahl der zur Verfügung stehenden Zuchttiere und möglichen Verpaarungen erhöht sich.

Eine gute Möglichkeit um auch qualitätvolle ausländische Rüden anderer Linien zu nutzen, ist der Import von Samen. Je nach Entfernung des Rüden kann man frischen oder gefrorenen Samen nehmen. In den USA hat sich diese Methode schon seit längerem etabliert und ich hoffe, dass auch in Europa immer mehr Züchter diese Möglichkeit wahrnehmen werden. Es stellt für mich eine gute Alternative zum Import ausländischer Rüden dar. Jedoch sollte vermieden werden einzelne Rüden zu häufig zu nutzen, da auch dadurch der Inzuchtkoeffizient steigt.

Nach einem leider erfolglosen Versuch mit Gefriersamen, hoffe ich nächstes Jahr meinen ersten Wurf nach einem amerikanischen Rüden zu haben.

und noch ein Schlusswort!

Der Erhalte der genetischen Vielfalt sollte oberstes Gebot eines jeden Züchters sein, um gesunde und vitale Hunde zu züchten. Dazu bedarf es nicht unnötiger Einschränkungen in Hinblick auf die Verpaarung bestimmter Farben oder sogar das Verbot einzelner Farben, sondern einer Lockerung der Bestimmungen einiger Vereine in diesem Bereich.
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Bild Quelle Stephanie Noelle

Frau Stephanie Noelle,

Autorin des Buches "American White Collies. Der Amerikanische Weiße Collie in Deutschland",

und 1. Vorsitzende des "Club für Amerikanische Collies e.V.",

und selbstredend Colliezüchterin,

hat sich über die Weissen Collies uns gegenüber folgendermaßen geäußert:

Die weisse Farbvariante des American Collies hat Dank der Bemühungen einiger weniger Züchter jetzt auch in Deutschland und Europa an Anzahl und Bedeutung zugenommen. Mit Hilfe von US-Importen und deutschen Linien im amerikanischen Typ haben wir eine Basis geschaffen, die sehr viel versprechend in die Zukunft blicken lässt. Darauf gilt es jetzt verantwortungsvoll aufzubauen. Um den Typ zu erhalten und zu verbessern, werden wir weiter mit wertvollen, erprobten Blutlinien aus den USA, Kanada und Australien arbeiten, die wir ganz gezielt mit der Basis kombinieren.

Domino - Besitzerin Kathrin Müller

Einer der wichtigsten züchterischen Schwerpunkte in der nächsten Zeit ist die weitere Verbesserung der Erbgesundheit, insbesondere weil der American White Collie auch zukünftig im Mittelpunkt des Interesses stehen wird– sowohl bei seinen Bewunderern, als auch bei seinen Kritikern. Der weisse Collie wird gesünder, wesensfester und typvoller sein müssen als die anderen Farbschläge, um sich dauerhaft durchsetzen zu können. Dieser Leistungsdruck wird sich auch positiv auf die Zucht von weissfaktorierten Collies auswirken, da diese ja mit der Zucht von weissen Collies korreliert ist. Mit Sorgfalt, Fachwissen und viel Engagement wird es den deutschen Züchtern auch in Zukunft gelingen, mit dem American White Collie eine der schönsten und reizvollsten Farbvarianten des Amerikanischen Collies weiter zu entwickeln.


Bild links: Quelle Stephanie Noelle // Bild rechts: Amy - Besitzer Bernd und Claudia Feyrer